Unsere erste Woche in Sierra Leone

von Anabela und Philippe Valentin

Wir befinden uns jetzt seit einer Woche in Sierra Leone. Diese Zeit haben wir fast komplett in der Hauptstadt Freetown verbracht, einmal haben wir unseren zukünftigen Einsatzort Makeni besucht, der rund 140 Kilometer nordöstlich von hier liegt. In Freetown leben wir am Rande der Slumgegend Susans Bay, wo sich das Cap-Anamur-Straßenkinderprojekt befindet, das von unserem Kollegen Dennis betreut wird.

Von unserer Unterkunft zum „Paddy“ sind es ungefähr 15 Gehminuten, mit dem Auto kann es über eine halbe Stunde dauern, denn das Verkehrschaos in dieser Stadt ist unvergleichbar! Während wir vor unserer Ankunft dachten, dass auf den Straßen wegen Ebola weniger los wäre, wurden wir sofort eines Besseren belehrt: Der Straßenhandel blüht und findet überall statt, es sind unglaublich viele Fußgänger, Autos und Kamikaze-Motorradfahrer unterwegs. Die einzige Möglichkeit, irgendwo durch zu kommen, scheint die Hupe zu sein.

In der Slumgegend selbst fällt der Verkehr weg, dort ist es so eng, dass man grade so zu Fuß durch kommt. Wir durften mit Dennis und Saidu Baa aus der Community die Gegend besuchen. Für uns waren die Lebensumstände hier hart an der Grenze des Erträglichen. Es scheint, dass sich durch Jahrzehnte lang angesammelten Müll eine neue Landmasse gebildet hat. Sie frisst sich ins Meer und die Ärmsten haben darauf ihre Hütten errichtet. Hier leben sie inmitten von Dreck und Tieren, vor allem Schweinen aber auch vereinzelten Kühen.

In diesen elenden Umständen beeindruckt besonders die Freude über unsere Anwesenheit. Der Name Cap Anamur ruft überall Freude und riesige Dankbarkeit hervor. Man wird nicht Müde, die Hilfe unserer Organisation wertzuschätzen. Das Straßenkinderprojekt ist überall bekannt und man honoriert den Mut, dass es trotz Ebola keine Unterbrechung gab.

Stolz zeigte man uns die „Public Toilets“, die von Cap Anamur errichtet wurden und dank derer eine Basishygiene erreicht und die Seuche deutlich eingedämmt werden konnte. Durch Finanzmittel der UNMER wurden während der Krise Reinigungsteams ausgestattet und bezahlt, sie reinigten die Toiletten mehrmals täglich und stellten Seife und Wasser für die Hände bereit. Leider ist deren Projekt nun beendet, und Seife und Putzmittel sind aufgebraucht. Hier sehen wir Handlungsbedarf. Insbesondere da gerade in der Umgebung die ersten zwei bestätigten Ebola-Fälle seit Wochen aufgetreten sind.

Die Menschen in dieser Gegend sind sehr motiviert, an einer Verbesserung ihrer Situation zu arbeiten – allerdings schaffen sie dies nicht ohne Unterstützung von außen.

Ähnlich haben wir das Personal im Krankenhaus Makeni erlebt. Wir waren zwar bisher nur einen Tag dort, da wir zunächst unseren Ebola-Kurs in Freetown absolvieren müssen, können es aber kaum erwarten, danach dort das neue Projekt zu beginnen und einen tieferen Einblick zu bekommen. Auf den ersten Blick gibt es sehr viel zu tun. Uns wird ganz bestimmt nicht langweilig!

Bis dahin kümmern wir uns um die Erstausstattung für das Teamhaus auf dem Krankenhausgelände in Makeni und helfen unseren Kollegen hier in Freetown, im einzigen Kinderkrankenhaus des Landes und im Straßenkinderprojekt. Wir drücken jeden Tag die Daumen, dass die wieder auftretenden Ebola-Fälle nur eine Nachwehe sind und unsere ursprüngliche Vorstellung, nur ganz am Ende des großen Ausbruchs ins Land gekommen zu sein, doch noch wahr wird.

ZU DEN AUTOREN | Nur zwei Wochen vor ihrem Einsatzbeginn in Sierra Leone sind die beiden Kölner Krankenpfleger Anabela und Philippe Valentin von ihrem Nothilfeeinsatz für Cap Anamur aus Nepal zurück gekehrt. Dort haben sie wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben im April im Bergdorf Judeegaun eine behelfsmäßige Ambulanz aufgebaut, sie mit den nötigen Medikamenten und Verbandsmaterial ausgestattet und die Verletzten versorgt.

Weitere Infos dazu unter: http://cap-anamur.org/projekte/nepal/projektberichte/nepal-nothilfe-team-startet-einsatz-abgelegenem-bergdorf

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