Die ersten Erfolge

von Anabela & Philippe Valentin

Nachdem wir nun gut vier Wochen im Krankenhaus von Makeni tätig sind, können wir die ersten Erfolge verbuchen. Zunächst einmal haben wir jedoch nach unserem letzten Blog-Beitrag das Ebola-Training für Ebola-Zentren in der Hauptstadt Freetown absolviert. Während das Krankenhaus Makeni kein Ebola-Zentrum ist und wir die maximale Schutzkleidung hier nicht benötigen, gab der Kurs jedoch auch viel theoretisches Hintergrundwissen her. Besonders das Screening-Verfahren, mit dem mögliche Ebola-Patienten identifiziert werden, ist für jede Gesundheitsinstitution im Land wichtig.

Wir befinden uns in der vulnerabelsten Phase der Epidemie, viele Regionen (wie unter anderem Makeni) sind seit geraumer Zeit frei von der Infektion. Das führt zu Nachlässigkeit beim einheimischen Personal. Ein einziger erkrankter Patient, der nicht erkannt wird, könnte zum „Super-GAU“ führen. Nun sind wir mit dem Verfahren vertraut und begleiten täglich die hiesigen Vorsichtsmaßnahmen.

Einen großen Vorteil für unser gesamtes Team in Sierra Leone hatte der Kurs: Wir können uns selbst nun flexibel einsetzen. Nach dem Kurs machten wir die Probe aufs Exempel, während Ana nach Makeni zurückkehrte unterstützte Philippe fünf Tage lang die Kollegen in der Ebola-Aufnahme- und Isolierstation des Kinderkrankenhauses in Freetown. Die extreme Belastung im Schutzanzug hat unsere Kollegin Simone bereits beschrieben. Gefühlt schwitzt man in einer Stunde in dieser Kleidung so viel wie auf einer deutschen Intensivstation im Hochsommer in einer ganzen Schicht. Bei dieser Arbeit ist der Grundsatz, zuerst auf sich selbst, dann auf den Patienten achten oberste Priorität, ein Kollaps in der „roten Zone“ wäre fatal.

Während unserer Abwesenheit stand die Cap-Anamur-Arbeit in Makeni nicht still. Wir hatten die Probleme im Bereich des OPs hoch auf unsere Prioritätenliste gesetzt. Während, wie im letzten Beitrag erwähnt, die Temperatur im OP nun regulierbar ist, liegt unser Fokus jetzt auf der Hygiene. Während der allgemeine OP räumlich verhältnismäßig gut da steht, sieht dies im Kreißsaal/Gyn-OP anders aus. In diesen Räumen stehen zwei Sterilisatoren für das verwendete Material, einer davon im Ankleideraum für das Personal, der andere in einer „OP-Schleuse“. In dieser Schleuse werden jedoch parallel Curetten (Ausschabungen der Gebärmutter) durchgeführt, direkt neben dem Sterilgut. Die benutzten Instrumente werden im selben Waschbecken gesäubert, an dem sich das OP-Personal (Schwestern und Ärzte) die Hände wäscht. Selbst einem Laien muss klar sein, das wir hier ein Problem haben, und zwar kein kleines.

In unseren ersten Wochen stellten wir fest, dass das Krankenhaus bereits vor über einem Jahr einen großen Sterilisator von der Regierung erhalten hatte, allerdings fehlte das Budget, den Apparat anschließen zu lassen, geschweige denn hatte jemand eine Idee, wohin man das riesige Gerät stellen sollte. Nach einigem Überlegen hielten wir einen Raum gegenüber des Gyn-OP für optimal, weil er wenig ausgelastet und groß genug ist. Zuvor war dieser Raum ein Aufwachraum für die operierten Patientinnen. Diese Patientinnen kommen nun, wenn möglich, direkt auf die Stationen, wenn nötig auf die Überwachungsstation der Notaufnahme. Damit wurde der Raum frei und unsere Vorstellung, eine eigene Sterilisationseinheit zu schaffen, wurde von unseren Partnern im Krankenhaus begeistert aufgenommen. Wie auf den Bildern zu sehen ist, sind bereits zwei Geräte angeschlossen, eine erste Einweisung fand statt und letzte Baumaßnahmen sind im Gang. Wir peilen an, die Einheit in der nächsten Woche in Betrieb zu nehmen und einer von uns wird die Arbeit dort für einige Zeit begleiten.

Damit ist der erste Schritt für diesen Bereich mit relativ wenig finanziellem Aufwand getan, die nächste Schritte werden etwas aufwändiger…
Unsere Zusammenarbeit mit der Lagerverwalterin wird immer besser, nachdem wir sie mit dem Cap-Anamur-Lastwagen unterstützen konnten. Dadurch konnte sie aus den Regierungslagern in Freetown einige Produkte nach Makeni transportieren. Produkte, die wir nicht kaufen und dann sowieso transportieren müssten. Einiges fehlt trotzdem noch, hier springen wir ein. Jedoch nur wenn alle Möglichkeiten des Krankenhauses vorher ausgeschöpft wurden.

Auf den Stationen konnte Ana große Erfolge verzeichnen. Da wir mit dem Chefarzt und der Oberschwester diesbezüglich voll und ganz auf einer Linie liegen, sind Basisstandards eingeführt worden, die täglich kontrolliert werden. In Deutschland unvorstellbar, in Afrika oft Alltag: Man muss hinterher sein, damit die Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Temperatur) gemessen und dokumentiert werden. Da diese Arbeit gerne vernachlässigt wird, sind oft sehr komplizierte, umständliche Methoden üblich (oder andersrum, vielleicht bedingen auch die Methoden das Vergessen). Beispielsweise wurden in der Pädiatrie die Mütter mit ihren Kindern an einen Tisch gerufen um dort sitzend die verordneten Medikamente zu verabreichen, vielleicht ab und zu auch mal Fieber zu messen. Das ist vorbei: Jetzt gehen die Schwestern von Bett zu Bett, die Schwesternschülerinnen helfen beim Messen oder Dokumentieren. Dazu noch etwas Ordnung auf den Tischen, mit den Akten und an den Bettplätzen, die Stationen sind kaum wiederzuerkennen. Die ersten Veränderungen werden von nahezu allen Kollegen als gut empfunden. Mal sehen, was sie sagen, wenn wir den Plan, eine Oberschwester einzuführen und die Betten aus den Schwesternzimmern gegen Schreibtische und Aktenlager einzutauschen in die Tat umsetzen. Für uns eine klare Sache: Krankenschwestern haben im Dienst nicht herum zu liegen und erst recht nicht zu schlafen.

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