Von Windmühlen und riesigen Steinen

von Dennis Wellmann

Immer wenn ein neues Jahr beginnt, dann scheint es so als würden Hoffnung und Tatendrang eine leidenschaftliche Liaison eingehen und eine Quelle unerschöpflicher Energie entstehen lassen. Es ist viel Energie nötig, um Hoffnung und Tatendrang in diesen Tagen aufrechtzuerhalten. „Mögest du in interessanten Zeiten zur Welt kommen“ lautet ein bekanntes Sprichwort, dessen genauer Urheber nicht bekannt ist. In der Tat: Die Zeit, in der wir leben, ist interessant, mehr noch, sie ist herausfordernd. Und im Angesicht dieser Herausforderung gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die eine, wir ignorieren die Tatsache, dass die Welt ein Ort von Konflikten und Gewalt sein kann, eine Welt in der Menschen nicht immer mit Vernunft handeln, eine Welt, die auch ungerecht ist. Die andere Möglichkeit, wir stellen uns den Herausforderungen mit dem Bewusstsein des möglichen Scheiterns.

Es wäre allzu menschlich, im Angesicht dieser Probleme verzweifelnd zu kapitulieren. Doch es ist auch eine menschliche Eigenschaft, trotz scheinbar unüberwindbarer Hindernisse zu versuchen, sich diesen gegenüberzustellen und zu überwinden. Denken wir an Archetypen des Scheiterns wie Don Quixote, der aus Ehrgefühl und Pflichtbewusstsein die Riesen dieser Welt bekämpfte, auch wenn es im wahren Leben nur Windmühlen waren. Denken wir an Sisyphos, dazu verdammt, immer wieder einen riesigen Stein auf den Hügel eines Berges zu rollen. Diese Gestalten repräsentieren einerseits, in einer Welt der Qual leben zu müssen, andererseits aber auch diese aus eigener Kraft zu überwinden.

Was hat dies alles nun mit dem Projekt zu tun? Wie ich finde eine ganze Menge: Es ist nicht überraschend, dass es auf dem Kontinent Afrika noch immer heftig brodelt, trotz medialem Fokus auf Europas Flüchtlingskrise und US-amerikanischem Vorwahlkampf. Die Probleme begegnen uns in einem solchen Ausmaß, dass man buchstäblich nicht weiß, wo man anfangen soll.

Aber wir haben uns entschieden, wo wir anfangen. Cap Anamur hat entschieden, vor beinahe drei Jahren. Wir beginnen bei den Kindern, jenen, die am wenigsten für den Zustand dieser Welt verantwortlich sind und doch am meisten unter ihr leiden. Das Projekt Pikin Paddy, kreolisch für Freund der Kinder, kümmert sich um Straßenkinder, die aus vielfältigen Gründen den Weg auf die Straße gegangen sind. Es ist ein einzigartiges Projekt in der Cap-Anamur-Geschichte. Ich möchte nach den einführenden Beiträgen in unserem Blog aus dem letzten Jahr, das Jahr 2016 damit beginnen unsere Arbeit in den nächsten Monaten genauer vorzustellen und den Leserinnen und Lesern einen tieferen Einblick in unsere Arbeit zu geben. Ich jedenfalls bin überzeugt, wir leben wahrlich in interessanten Zeiten.

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