Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

von Dennis Wellmann

Am 12. Juni wird am Internationalen Tag gegen Kinderarbeit daran erinnert, dass es weltweit noch immer 215 Millionen Kinder gibt, die wirtschaftlich ausgebeutet werden. Diese Schätzungen gehen auf die Internationale Arbeitsorganisation ILO, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, zurück.

Armut ist als Hauptursache dafür verantwortlich, dass Kinder unter 14 Jahren schwere körperliche Arbeiten verrichten müssen und nicht zur Schule gehen können. Armut und fehlende Bildung bilden dabei einen verhängnisvollen Teufelskreis. Wenn Eltern ihre Kinder aus finanziellen Gründen nicht zur Schule schicken können, ist es nahezu unmöglich für die Kinder, ihre soziale Situation später zu verbessern.  Um zu überleben sind sie dann dazu gezwungen, weiterhin schwere körperliche Arbeit zu leisten. Zum Überleben reicht dies häufig trotzdem nicht.

Zwangsarbeit, Prostitution, Arbeit in Steinbrüchen sowie Rekrutierung in bewaffneten Konflikten gehören leider immer zu den aktuellen und drastischsten Formen der Kinderarbeit. Die Zahl arbeitender Kinder unter 14 geht zwar zurück, trotzdem hat sich die Reduktion von Kinderarbeit tendenziell verlangsamt, so ein Bericht der ILO.

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Werfen wir einen Blick auf Sierra Leone: In dem westafrikanischen Land finden wir viele Faktoren, die Kinderabreit begünstigen. Die Initiative Aktiv gegen Kinderarbeit berichtet, dass etwa jedes zweite Kind  in Sierra Leone arbeitet. Immernoch sind die Folgen zweier schwerwiegender Ereignisse zu spüren. Der zehn Jahre andauernder Bürgerkrieg hinterließ eine „lost generation“ von Kindern, die als Soldaten kämpfen mussten, ohne Ausbildung und ohne Perspektive. Und die Ebola-Epidemie zerstörte unzählige Familienstrukturen, die sozusagen das soziale Absicherungssystem des Landes bildet.

Im Gesetz der Republik Sierra Leone sind eine freie Schulbildung und eine Schulpflicht bis 15 Jahren festgeschrieben. Die Bildungspolitik des Landes ist jedoch so ineffektiv, dass sich die Schulen gezwungen sehen, Gebühren zu erheben um die Lehrerinnen und Lehrer bezahlen zu können. Gleichzeitig gibt es auch keine Aufsicht, die dafür sorgt, dass die Kinder auch zur Schule gehen.

Die Folgen: Viele Familien können nur unter schwersten Mühen das Geld für eine Schulbildung zusammenkratzen. Schaffen sie es nicht, muss das Kind zum Familieneinkommen beitragen oder es läuft von zu Hause weg und entscheidet sich für ein Leben auf der Straße.

In unserem Straßenkinderprojekt Pikin Paddy sind wir tagtäglich mit diesem Problem konfrontiert. Immer mehr Kinder sind aus Armut gezwungen, schwere körperliche Arbeit zu verrichten, nicht selten mit der Folge körperlicher und seelischer Schäden.

In unserem Projekt setzen wir unseren Schwerpunkt daher auf den Wert von Bildung. Nicht wenige Kinder erlernen bei uns das Lesen, Schreiben und Rechnen. Wenn notwendig, unterstützen wir Familien auch bei den Gebühren, Schuluniformen und Büchern.

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Über 100 Kinder werden von uns zurzeit in der Bildung unterstützt und damit der schweren körperlichen Arbeit entrissen.

Dieser internationale Tag gegen Kinderarbeit ist daher auch eine Mahnung an alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft alles Menschenmögliche zu tun, um die Plage der Kinderarbeit auszurotten, die nichts weniger ist als eine Schande.

Verzweiflung ist angesichts der immer noch zu hohen Anzahl von schwerstarbeitenden Kindern keine Option. Im Gegenteil, sie entfacht unermüdliche Energie, um diese Schande ein für allemal zu beseitigen.

„Education is not filling a pail, but the lighting of a fire.“
William Butler Yeats (1865 – 1939)

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