Der Tag des Afrikanischen Kindes

von Dennis Wellmann

Sie wollten für eine gerechtere Bildungspolitik protestieren und wurden dafür gewaltsam von der bewaffneten Staatsmacht der Apartheidsregierung von Südafrika niedergemetzelt.

Als am 16. Juni 1976 tausende von Studenten in Soweto auf die Straße gingen, ging es nicht um einen Putschversuch, einen Sturz der Regierung. Die jungen Menschen forderten lediglich ihr Recht auf faire Bedingungen für ihre Ausbildung ein. Afrikaans war laut Gesetz Amtssprache an Schulen und Universitäten, die Sprache der weißen Oberschicht. Somit blieb eine Ausbildung für die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung unerreichbar, ebenso wie die Chance auf ein besseres Leben.

Die blutige Niederschlagung des Protests gilt unter Historikern als der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Seit 1991 wird auf dem afrikanischen Kontinent an die Ereignisse vom 16. Juni 1976 erinnert und sind als Day of the African Child bekannt. In Südafrika ist dieser Tag ein öffentlicher Feiertag. In Sierra Leone gilt dieser Tag zwar nicht als Feiertag, wird von der Regierung aber mit Feierlichkeiten begangen.

Auch bei uns im Projekt Pikin Paddy ist der Tag etwas Besonderes und wir haben uns ein spezielles Programm ausgedacht. Neben einem guten Essen steht das Gedenken an die Opfer des 16. Juni 1976 im Mittelpunkt. Dabei vermitteln wir den Kindern, dass Bildung ein Grundrecht ist, auf das alle Kinder einen Anspruch haben. Das aber ist leider nur graue Theorie. Immer noch brechen zu viele Kinder die Schule ab, die meisten aufgrund der prekären finanziellen Situation ihrer Familie.

IMG-20160617-WA0001 IMG-20160617-WA0003

Die Vermittlung geschieht einerseits durch klassischen Frontalunterricht durch die Sozialarbeiter, Lehrer und mich. In den letzten Wochen aber haben wir mit unseren Kindern einen Theaterworkshop ins Leben gerufen. Ich hatte die Idee, dass die Kinder mit unserer Anleitung eigene Theaterstücke schreiben und aufführen könnten. Eine hanebüchene Idee. Sogar ich selbst stand ihr eher skeptisch gegenüber. Aber einen Versuch war es allemal wert.

Zunächst gaben wir den Kindern das Thema vor. Sie sollten erzählen, warum sie auf der Straße gelandet sind. Das Ergebnis war ein zweiteiliges Stück, das Auskunft über das Leben eines Straßenkindes gab. Der erste Teil handelt von einem jungen Mädchen, das gerne zur Schule gehen möchte, von ihrer Stiefmutter aber nicht gelassen wird, weil das Mädchen zum Einkommen der Familie beitragen muss. Sie muss Trinkwasserbeutel auf dem Markt verkaufen. Als ihr das eingenommene Geld von einem Straßendieb abgenommen wird, hat das Mädchen Angst nach Hause zu gehen, traut sich dann aber doch. Zuhause wird sie von ihrer Stiefmutter geschlagen. In der Folge entscheidet sich das Mädchen auf die Straße zu gehen.

Der zweite Teil beschreibt das Leben eines Jungen, der seine gesamte Familie durch Ebola verloren hat. Weil er nun gezwungen ist, für sich zu sorgen, geht er auf die Straße und schlägt sich allein durchs Leben .

IMG-20160617-WA0000 IMG-20160617-WA0002

Es ist bemerkenswert mit welcher Selbstreflektion die Kinder an den Stücken arbeiteten. Offen berichteten sie von ihren Erlebnissen, zeigten uns ihren Beitrag und Willen, ihr Leben zu ändern.

Unser künstlerischer „Ausflug“ soll nicht der letzte dieser Art gewesen sein. Das kleine Theaterprojekt wurde sehr gut von den Kindern und auch von den Mitarbeitern aufgenommen. Die Mühe hat sich gelohnt. Ich hoffe, dass wir den Kindern dadurch ein wenig Selbstbewusstsein gegeben haben.

Es ist zwar eine Binse, dass Kinder die Zukunft einer Gesellschaft darstellen. Es ist aber eine Schande, dass Millionen Kinder weltweit immer noch eine gerechte Ausbildung verwehrt wird, aus welchen Gründen auch immer.

Der 16. Juni 1976 erinnert und mahnt uns.

IMG-20160617-WA0004 IMG-20160617-WA0005 IMG-20160617-WA0007 IMG-20160617-WA0008 IMG-20160617-WA0009 IMG-20160617-WA0010

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s