Hilfe für mittellose Patienten

von Frauke Utzerath

Die Menschen in Sierra Leone, vor allem die aus den Dörfern,  haben es nicht immer leicht in das nächstgelegene Krankenhaus zu kommen. Wenn sie dann schließlich einen Weg gefunden haben, reicht manchmal das Geld für benötigte Medikamente nicht mehr aus. Diese sogenannten „desitute cases“ (mittellose Menschen) gibt es immer wieder. Fälle wie diese bleiben auch in Makeni im Krankenhaus nicht lange unbemerkt und so werden wir relativ zügig von Ärzten oder Krankenschwestern darüber informiert.

In Absprache mit dem Management erarbeiten wir dann für jeden dieser Patienten ein individuelles Konzept. Oft übernimmt die Klinik die operative Behandlung, sofern nötig, und Cap Anamur unterstützt die Patienten mit Medikamenten.

Genau so ein Fall ist der 14-jährige John. Er ist im Dezember 2016 beim Spielen mit seinen Freunden sehr ungeschickt auf den Rücken gefallen und hat sich dabei zwei Wirbel in Höhe des Bauchnabels gebrochen. Im Krankenhaus angekommen, hat man durch Röntgen und weitere Untersuchungen herausgefunden, dass nicht nur die Wirbel verletzt sind, sondern auch das darin liegende Knochenmark betroffen ist und er somit ab diesem Tag querschnittsgelähmt sein wird. Dadurch, dass die Nervenstränge im Knochenmark nicht komplett durchtrennt waren, war er in der Lage Wärme und Kälte an den unteren Extremitäten zu fühlen, jedoch nicht, seine Beine eigenständig zu bewegen. John war die ersten Wochen noch auf der Intensivstation und konnte dann stabil weiterverlegt werden auf die Chirurgische Station für Männer.

Nach und nach traten bei John Komplikationen auf, die bei einer solchen Erkrankung häufiger vorkommen, so zum Beispiel eine Blasenentzündung. Diese waren mit den richtigen Medikamenten glücklicherweise immer schnell in den Griff zu bekommen. Für solche Patienten ist ein regelmäßiger Positionswechsel sehr wichtig, um ein wundliegen zu verhindern. Leider war John nicht sehr begeistert auf der Seite zu liegen und er hat es geschafft, sich immer wieder von selbst auf den Rücken zurück zu drehen. Nach kurzer Zeit entstand so leider am Steiß eine relativ große Wunde, weitere kleine Wunden zog er sich an den Füßen zu.

Im April 2017 haben wir dann einen festen Lagerungsplan für ihn erstellt, nach dem er stündlich von einer auf die andere Seite gedreht werden sollte. Außerdem wechselten wir regelmäßig seinen Verband. Mit Hilfe von Kissen konnte man variieren, wie steil er auf der Seite lag. Mit viel gutem  Zureden hat er es dann gut akzeptiert und auch verstanden, wie wichtig das alles für ihn ist. Hierbei konnten wir sehr gut die Krankenschwestern der Station zum Thema Wundversorgung  und Lagerung fortbilden, sodass sie nach ein paar Wochen in der Lage waren, alles selbstständig durchzuführen. Dadurch konnten wir seinen Hautzustand erheblich verbessern und Infektionen verhindern.

Die Familie von John ist in der Zwischenzeit immer weniger zu Besuch gekommen und nach einer Weile ist nur noch die Großmutter einmal im Monat da gewesen. John ist den Krankenschwestern nach dieser langen Zeit sehr ans Herz gewachsen. Sie haben ihr bestes gegeben und auch häufig für ihn mit gekocht, damit er eine abwechslungsreiche Ernährung bekommt.

Im Juni 2017 konnte John dann nach Hause entlassen werden. Die Großmutter hatte einen Transport besorgt und wir haben ihn dann sicher im Auto positioniert. Mit ein paar Verbandsmaterialien, Medikamenten und mit einem Rollstuhl ausgestattet, stand dem Leben im Dorf nichts mehr im Wege und alle haben ihn mit Tränen in den Augen verabschiedet. Seine Großmutter und das ganze Dorf kümmern sich jetzt liebevoll um ihn und geben sich große Mühe, sein Leben so normal wie möglich zu gestalten.

Bei solchen Erfolgsgeschichten freut man sich natürlich und ist immer wieder froh, wenn man durch die Gabe von Medikamente schlimme, lebensbedrohliche Infektionen verhindern kann. Wir werden weiterhin die mittelosen Familien mit benötigten Medikamenten versorgen, sodass wir solche schönen Momente so oft wie möglich erleben dürfen.

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