Welt-Sichelzellanämie-Tag

von Dennis Wellmann

Am 19. Juni 2006 initiierten die Vereinten Nationen einen Gedenktag für die an Sichelzellanämie erkrankten Menschen. Die Sichelzellanämie gehört zu den am weitesten verbreitenden Erbkrankheiten, die ganz besonders häufig im Afrika südlich der Sahara vorkommt.

Bei der Erkrankung handelt es sich, vereinfacht gesagt, um Fehlbildungen der roten Blutkörperchen, die u.a. für den Transport von Sauerstoff zuständig sind. Es werden daher nicht genügend gesunde Blutkörperchen produziert. Der Name der Krankheit hat ihren Grund in der charakterlichen Sichelzellform der fehlgebildeten Blutkörperchen.

Generell sind die Prognosen für Erkrankte nicht gut. Bei mangelnder Versorgung erreichen die Kinder kaum die Pubertät. Auch bei medizinischer Versorgung liegt das erreichte Durchschnittsalter bei 20 bis 30 Jahren. Momentan wird an einer medikamentösen Therapie geforscht, die es Patienten ohne Aussicht auf eine Knochenmarktransplantation ermöglicht, ein weitestgehend beschwerdefreies Leben zu führen. Dabei ist darauf zu achten, dass körperlicher Stress, Kälte und Infektionen zu vermieden werden.

Auch in unserem Straßenkinderprojekt werden wir mit dieser schrecklichen Krankheit konfrontiert. Eines Morgens standen zwei Jungen vor unserer Eingangstür, von denen einer wie der wandelnde Tod aussah. Der 12jährige Hassan, spindeldürr, kurzatmig und erkennbar schwach auf den Beinen, hat sich mit letzter Kraft bis zu unserem Heim durchgekämpft. Nach eigener Aussage lebt er seit sechs Monaten auf der Straße. Sein Begleiter, ein 13jähriger Junge, hat ihn beim Gehen unterstützt. Er war in großer Sorge um seinen Freund. Nachdem die Jungs aufgenommen wurden, haben wir uns speziell um die Versorgung von Hassan gekümmert. Im Vordergrund standen Schmerzbekämpfung, Wundversorgung und eine ausreichende Ernährung mit Kalorien und Vitaminen. Wichtig bei diesen Patienten ist auch, dass sie warm gehalten werden, um zu vermeiden, dass sich die Blutgefäße verengen. Denn das kann bei den Erkrankten schnell zu einem Schlaganfall führen.

Glücklicherweise hat sich Hassans Gesundheitszustand schnell wieder stabilisiert. Gleichzeitig konnten wir in Freetown auch einen Spezialisten für Sichelzellanämie ausmachen. Zusammen arbeiten wir nun daran, Hassan mehr Lebensqualität zu schenken.

 

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