Angekommen in Makeni

von Anabela und Philippe Valentin

Endlich sind wir an unserem Einsatzort Makeni! Es gab einige Verzögerungen, unser Ebola-Training in Freetown wurde kurzfristig abgesagt, da sich zu wenige Teilnehmer angemeldet hatten. Da unser Team-Haus auf dem Krankenhausgelände in Makeni noch nicht ganz fertig gestellt war, haben wir vorerst noch einige Tage unsere Kollegen in den Projekten in Freetown unterstützt und konnten weitere Einblicke in das Leben und die Kultur der Menschen in Sierra Leone bekommen.

Nachdem wir zuletzt von schwierigen und traurigen Lebensumständen schrieben, diesmal ein Aspekt der unsere größte Bewunderung verdient: Die Menschen in Sierra Leone sind sehr, sehr religiös. Die meisten teilen sich ungefähr halb-halb auf den Islam und das Christentum auf, auch viele Splittergruppen und Sekten sind vertreten. Dies führt jedoch nach Allem was wir hören konnten zu keinem Konflikt, im Gegenteil. Es wird eine aktive Toleranz gelebt, die immer wieder als vorbildhaft für Afrika bezeichnet wird und unserer Meinung nach als Vorbild für die ganze Welt gelten kann.

Selbst unsere tolerante Heimatstadt Köln könnte hier noch lernen: Christen heiraten Muslime und umgekehrt, besuchen gegenseitig ihre Kirchen/Moscheen, beten sogar gemeinsam. In unserem Straßenkinderprojekt Pikin Paddy beten die Kinder jeden Morgen das Vaterunser UND die Al Fatja. Das hat uns schwer beeindruckt, wir erfuhren, dass dies nicht nur bei Kindern so ist. In allen Regierungsbehörden und bei Geschäftsmeetings wird ebenso verfahren. Kann man mehr Toleranz zeigen, als das Gebet des Kollegen mit zu beten, obwohl es nicht das eigene ist? Präsident und Vizepräsident gehören immer den verschiedenen großen Konfessionen an, ein Übergewicht zu einer Seite soll vermieden werden. Wir wünschen Sierra Leone, dass es sich niemals in unnötige religiöse Konflikte hinein ziehen lässt, die anderswo auf Welt so viel Leid verursachen.

In Makeni angekommen konnten wir nach einer Nacht in einem Guesthouse, an dem ein Flohdompteur seine Freude gehabt hätte, endlich unser (fast) fertiges Team-Haus beziehen. Unsere Lebensumstände in der Provinzhauptstadt sind deutlich angenehmer als in Freetown. Zwar ist es heißer als an der Küste, jedoch deutlich ruhiger, die Luft ist besser und der tägliche Kampf mit dem Verkehr in der Stadt fällt für uns weg. Wir wohnen auf dem Krankenhausgelände zwischen Leichenhalle und Isolationsbereich, Ärger mit den Nachbarn ist somit ausgeschlossen…

Im Regionalkrankenhaus von Makeni haben wir nun das neue Cap-Anamur-Projekt begonnen. Wir sammeln unsere ersten Eindrücke und konnten gemeinsam mit dem Chefarzt Dr. Kamara und der Oberschwester Fatmata die zwei vorerst wichtigsten Bereiche definieren. Ana kümmert sich um eine Erfassung der Belegung und Planung einer besseren Nutzung der vorhandenen Ressourcen, zum Beispiel die Raumauslastung und die Verteilung von Personal. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen, denn Vieles liegt im Argen. Beispielsweise sind manche Räume maximal überfüllt während andere schlecht oder nicht genutzt werden, in Zeiten von Ebola eine große Gefahr.

Philippe widmet sich dem Bereich Apotheke, Material und Lager. Oft fehlt es an Medikamenten, aber auch an Verbrauchsmaterial, so dass es zu gefährlicher Wiederverwendung von Einmalmaterial kommt. Das muss sich schleunigst ändern um Infektionen jeder Art zu vermeiden. Allerdings wirkt es, als ob nicht nur das Bereitstellen von Hilfsgütern gefragt ist, sondern auch eine Optimierung der Bestellung von der hiesigen Regierung Abhilfe schaffen kann.

So gerne wir das würden, in die direkte Patientenversorgung steigen wir vorerst nicht ein, da wir mit der Organisation des Krankenhauses für Wochen beschäftigt sein werden. Glücklicherweise sehen uns die Vertreter des Krankenhauses erst mal genau in der Position, organisatorische Vorschläge zu machen – das lässt hoffen!

Sie haben für uns sogar kurzfristig ein abgespecktes Ebola-Training organisiert, somit kennen wir nun die Richtlinien für Nicht-Ebola-Zentren und können beobachten, wie strikt sie befolgt werden.

Wir freuen uns sehr auf die Aufgaben die uns bevorstehen!

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