Ebola: Ein Jahr danach

von Dennis Wellmann

Vor einem Jahr, am 7. November 2015, verkündeten die Weltgesundheitsorganisation und der Präsident von Sierra Leone,  Ernest Bai Koroma, das offizielle Ende der Ebola-Epidemie in Sierra Leone.

Offizielle Zahlen belegen, dass allein in Sierra Leone etwa 3.960 Menschen ihr Leben durch das Ebola-Virus verloren haben. 14.123 Menschen wurden infiziert und müssen bis heute mit den Nachwirkungen leben.  Die vorher schon ohnehin unzureichende Infrastruktur des Landes musste durch die Epidemie einen regelrechten Knock-out hinnehmen. Das Gesundheitssystem kann sich nun noch weniger um die wirklich bedürftigen Menschen kümmern. Zahlreiche Mediziner und Pflegekräfte sind während der Epidemie infiziert worden und daran verstorben.

Heute fehlt es also vor allem an qualifiziertem Personal, das jetzt wieder ausgebildet und so schnell wie möglich zum Einsatz kommen muss.

Zum Anderen hat die Ebola-Epidemie eine enorm wichtige soziale Sicherungsstruktur der Menschen angegriffen: die Familienstruktur. Sie war es, die den Menschen in schwierigen Zeiten Unterstützung und Halt garantiert hat. Viele Familien wurden jedoch auseinandergerissen. Väter oder Mütter, die für das Einkommen verantwortlich waren, verstraben, viele Kinder wurden zu Waisen.

In unserer täglichen Arbeit setzen wir an eben diesen Punkten an: Wir unterstützen das angeschlagene Gesundheitssystem, indem wir den ärmsten eine freie Basisgesundheitsversorgung anbieten und gleichzeitig Strukturen aufbauen, indem wir medizinisches und Pflegepersonal in Organisation und Planung beraten.

Mit unserem Straßenkinderprojekt Pikin Paddy stellen wir uns dem sozialen Unglück dieses Landes entgegen, indem wir Kindern, die aus vielfältigen Gründen auf der Straße leben müssen, nicht nur ein Dach über dem Kopf und drei Mahlzeiten am Tag bieten, sondern auch eine Perspektive, indem wir es ihnen ermöglichen, eine Schulausbildung oder eine praktische Ausbildung zu machen. Nach dem Prinzip „Fördern & Fordern“ betreuen lokale Sozialarbeiter diese Kinder und stehen ihnen bei Schwierigkeiten zur Seite.

All dies erfordert Geduld und Beharrlichkeit. Aber wir alle hier stellen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vor.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s